Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Kritik

Moderator: Klaus Kuhn

ABC
 
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Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Kritik

Fr 20. Feb 2015, 20:58

Sehr geehrter Herr Kuhn,

seit Beginn dieses Schuljahres arbeite ich mit der ABC-Silbenfibel und dem Konzept der Silbenmethode.
Bis zur Seite 28 / 29 kamen meine Schüler relativ selbständig und gut mit. Mit der Seite 30 / 31 erfolgte ein für einige Kinder schwerwiegender Bruch im Leselernprozess: Neben der Menge an Text, die es dort mt einem Mal zu bewältigen gab, und der Schwierigkeit des kurzen Lesens der geschlossenen Silben wurde auch noch ganz nebenbei der Umlaut ü eingeführt.

Seit diesem Zeitpunkt ist es für mich schwierig, diese Kinder zum Lesen der Textfülle zu motivieren, zumal die Texte zwar Themen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufgreifen, aber mehr oder weniger unverbunden nebeneinander stehen und die natürliche Neugierde der Kinder m.E. nicht sehr herausfordern. Selbst nach zusätzlicher Einführung eines Lesepasses, mit dem täglich 10 Minuten geübt werden soll (Fibel, Leseteppiche usw.), ist der Leseerfolg nur mager.

Auch über die teilweise nicht kindgerechten Übungen in den Begleitheften (z.B. viele unbekannte Wörter), die dem Unterricht zudem ein enges zeitliches Korsett anlegen, bin ich mit Hinblick auf die Motivation meiner Schülerinnen und Schüler nur wenig erbaut. Eine wisseschaftliche Untersuchung u.a. zu diesem Konzept macht mich zusätzlich nachdenklich: https://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin ... ten_V8.pdf

Vielleicht habe ich das Konzept bislang auch einfach nicht richtig umgesetzt?
Mit Bitte um eine Rückantwort Ihrerseits verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihr ABC

Klaus Kuhn
 
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Re: Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Krit

Sa 21. Feb 2015, 11:10

Guten Tag ABC,

es ist zutreffend, dass auf S. 30/31 viel Text zu lesen ist. Wir werden die Textmenge auf dieser und einigen weiteren Seiten in der nächsten Ausgabe reduzieren, um den mittleren Erreichbarkeitsgrad an die aktuellen Bedingungen anzupassen.

Wie ist ihre Bemerkung "relativ selbständig" zu verstehen?

Ich mache folgende Erfahrung: Wenn im Unterricht Zeitfenster für die Förderung des automatisierten Silbenlesens (Starter-Klinger-Stopper - kurz) für schwächere Schüler eingeplant und genutzt werden, bewältigen auch diese Kinder den "Übergang" zu mehr Text leichter.
Anm.: In diesem Video (» http://www.abc-der-tiere.de/index.php?id=5537) zeigen drei Kinder, wie diese Übungen (Silben fliegen hoch, Silbenlauf, Silbenkelle) durchgeführt werden. In der Phase der Silbenschule (S. 2 bis 27) sollen alle Kinder für die weitere Arbeit befähigt werden.

Die Motivation durch die Themen wird von vielen Eltern und Lehrern positiv beurteilt. Wenn die Fertigkeit des Silbenlesens nicht ausreichend automatisiert ist, fehlt natürlich der Schwung für mehr Text. Die Einführung eines Lesepasses ist eine gute Idee. Sie kann aus meiner Sicht die tägliche individuelle Förderung schwacher Leser nicht ersetzen.

Auch im dritten Punkt stimme ich ihrer Kritik zu. Manche Begriffe (z.B.: Kamine, Sirene, Silo) sind vielen Kindern nicht bekannt. Der Unterrichtshinweis auf die Vorbereitung dieser Aufgaben mit einer Folie (Klärung der Begriffe und Silben) wird nicht durchgängig berücksichtigt. Wir werden auch hier Änderungen vornehmen.

Auf die Untersuchung und Punktewertung der PH Ludwigsburg kann ich in diesem Rahmen nicht eingehen.

ABC der Tiere betrachtet die deutsche Schrift als lautorientierte Silbenschrift.

Der Spracherfahrungsansatz behandelt die deutsche Schrift, zumindest beim "freien Schreiben", als Lautschrift. Dieser Zugang wird aktuell mehrheitlich praktiziert. Aus unserer Sicht ist er Ursache für die schwachen Lese- und Schreibleistung so vieler Schüler. Darüber streiten sich Fachwissenschaftler, Lehrer und Eltern (siehe http://www.grundschulservice.de)

Wir sind der Auffassung, dass gerade schwächere Schüler vom Silbenkonzept profitieren - viele Lehrer und Eltern bestätigen das. Der relativ einfache Aufbau in der Phase der Silbenschule soll genutzt werden, durch intensive individuelle Begleitung die schwächeren Schüler zu fördern.

Es ist grundsätzlich schwierig, einem unbekannten ABC konkrete Hilfen anzubieten.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuhn

ABC
 
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Re: Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Krit

Sa 21. Feb 2015, 20:43

Guten Abend Herr Kuhn,

vielen Dank für Ihre ausführliche Rückantwort mit den teilweise selbstkritischen Aussagen. Das spricht für Sie.

Gerne bin ich bereit, konkrete Hilfe von Ihrer Seite aus anzunehmen. Auf welchem Wege wäre das möglich?

Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen zum Sonntag

Ihr ABC

Klaus Kuhn
 
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Re: Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Krit

So 22. Feb 2015, 10:22

Guten Morgen ABC,

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mehr Informationen über ABC-Silben-Methode zu erhalten:

- Kostenloses Info-Material auf der Verlagsseite im Internet
» http://www.abc-der-tiere.de/lehrer/prospekte/
- kostenloser Bezug des Newsletters mit Videos
» http://www.abc-der-tiere.de/news/newsle ... ewsletter/
- Lehrerhandbücher
» https://www.mildenberger-verlag.de/page ... ik&cid=407
- Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Schulberater des Verlages
» http://www.mildenberger-bildungswelt.de/schulberater/
- Vermittlung einer Kontaktschule in Ihrem näheren Umkreis. Bitte wenden Sie sich dazu an unsere Schulberater:
» http://www.mildenberger-bildungswelt.de/schulberater/
- Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung. Bitte wenden Sie sich dazu an unsere Schulberater:
» http://www.mildenberger-bildungswelt.de/schulberater/

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Kuhn

ABC
 
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Re: Das Konzept der ABC-Silbenfibel - eine konstruktive Krit

Sa 5. Dez 2015, 13:47

Sehr geehrter Herr Kuhn,

mittlerweile sehe ich die "Früchte" Ihres Konzeptes und möchte abschließend noch gern Folgendes zu dem Lehrwerk "ABC der Tiere" sagen:

An sich ist der Ansatz, mit der Silbenmethode lesen und schreiben zu lernen, hilfreich und entspricht - worauf Sie ja auch hinweisen - dem Aufbau der deutschen Sprache. Ob Ihr Konzept allerdings das beste unter den gängigen Konzepten, die mit der Silbenmethode arbeiten, ist, diese Frage möchte ich mit einigen Fragezeichen versehen.

So empfehle ich Ihnen über die Verbesserungsvorschläge hinaus, die Sie ja ehrlicherweise schon angenommen haben, die Fülle an Aufgabenprofilen auf die wirklich erfahrungsbewährten und lerneffektivsten zu beschränken, gemäß dem Wort: „Das Einfache ist nicht immer das Beste. Aber das Beste ist immer einfach.“ (Heinrich Tessenow)

Zudem habe ich sehr gute Erfahrungen mit einem Lesepass für die Schüler und Schülerinnen gemacht, der - über das individuelle Üben mit schwachen Schülern hinaus - , alle Kinder motiviert hat, täglich 10 Minuten zu lesen. Dadurch konnte meine Klasse zum Ende der Jahrgangsstufe gute Lernerfolge verzeichnen.

Auch die Öffnung des Lehrwerks für Unterrichtssequenzen des kreativen Schreibens wäre wünschenswert, da der richtige Erwerb der Schriftsprache nur die eine Seite der Medaille ist. Freudebetonte und experimentelle Zugänge zur Schriftsprache sind ebenso wichtig und richtig und für die Motivation unerlässlich.

Letztlich möchte ich Sie ermutigen, Ihren Ansatz weiterhin zu verbessern. Viele gute Ideen und Übungen weist Ihr Konzept ja schon auf, z.B. die Silbenhäuschen und das Schreiben der Silben in zwei Farben. So gebe ich Ihrem Lehrwerk doch 3, 5 von 6 möglichen Sternen. Enwicklungspotential ist sicherlich vorhanden!

Ihnen weiterhin alles Gute und eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,

Ihr ABC

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